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21.09.2018

Gewässerverschmutzung nimmt zu

In unseren Gewässern finden sich immer größere Mengen von Mikroplastik, Arzneimitteln und antibiotikaresistenten Keimen und Genen. Auf diesen Sachverhalt hat in Lahr das 32. badenova Trinkwasserkolloquium aufmerksam gemacht. Experten aus der Wasserwirtschaft und der Wissenschaft beleuchteten in ihren Fachvorträgen diese Erkenntnisse und die Folgen daraus.

Dr. Tobias Bringmann bei seinem Vortrag beim badenova Wasserkolloquium in Lahr
Dr. Tobias Bringmann bei seinem Vortrag beim badenova Wasserkolloquium in Lahr

Alleine in Deutschland werden pro Jahr im häuslichen Abwasser rund 8.100 Tonnen Arzneimittel verklappt. Ihre Spuren sind vor allem in Kläranlagen und in Oberflächengewässern mühelos nachweisbar, ebenso wie Rauschgifte und Betäubungsmittel.

Das eigentlich Dramatische ist aber: Es gibt Studien und Prognosen, die in wenigen Jahren eine Steigerung von 70 Prozent vorhersagen. Schuld daran ist der demografische Wandel, der bei immer höherer Lebenserwartung auch höheren Pflege- und Arzneimittelbedarf auslöst, außerdem der veränderte Umgang mit Arzneimitteln, die zunehmend und in großen Mengen prophylaktisch eingesetzt werden.

Nicht weniger dramatisch sind die Entwicklungen bei der Ausbreitung antibiotikaresistenter Bakterien und Gene in den Gewässern. Je nach Land und Region sind in 40 bis über 60 Prozent aller Oberflächengewässer bereits solche antibiotikaresistente Bakterien und Gene nachweisbar und bereits zu drei Prozent im Grundwasser. Es liegen bereits eine Reihe von Studien und Untersuchungen vor, die insbesondere Verbreitungswege und Verursacher identifiziert haben. Einen großen Anteil verantwortet demnach die Massentierhaltung. Der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft sorgt für die explosive Ausbreitung resistenter Bakterien und Gene. Hierzu werden Prognosen vorgestellt, wonach bis zum Jahr 2050 Infektionskrankheiten zur häufigsten Todesursache werden, weil sie wegen resistenter Bakterien nicht mehr wirkungsvoll mit Antibiotika bekämpft werden können.

Ein weiteres bedrohliches Szenario für die Wasserqualität ist die Belastung der Binnengewässer mit Mikroplastikteilchen. Das sind Plastikfragmente kleiner fünf Millimeter, teilweise bis in den Mikrometerbereich. Je kleiner, desto häufiger bereits anzutreffen. Die problematischsten Quellen sind Plastikstrohhalme, Getränkebecher, Plastiktüten, weil sie oft auch nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. Aber auch Kosmetika, Verpackungsplastik, landwirtschaftliche Folien, Reifenabrieb, Weichmacher, Flammschutzmittel und ähnliche Verursacher landen in Oberflächengewässern, im Grundwasser und auch im Trinkwasser. Vor allem für die tierische Nahrungskette sind die Folgen schon heute für Vögel, Fische und Säugetiere dramatisch. Auch der Mensch kann sich nicht wehren. In Bier, Honig, Muscheln wurden Mikropartikel bereits nachgewiesen. Im Trinkwasser oder Mineralwasser sind bei Studien von Norwegen über Tschechien teilweise Partikelfrachten von bis zu 10.000 oder gar 100.000 Mikropartikel pro Kubikmeter ermittelt worden. Beim Grundwasser in Baden-Württemberg zwischen 100 und 1000 Mikropartikel.

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